Privatrezept

Erektionsstörungen: Ursachen und Warnsignal

Eine Erektionsstörung ist unangenehm, aber sie ist vor allem ein Befund: Häufig ist sie das erste sichtbare Zeichen einer Gefäßerkrankung. Diese Seite erklärt, wie es dazu kommt, was abgeklärt gehört, warum PDE-5-Hemmer rezeptpflichtig sind und wann Sie nicht warten dürfen.

Wann spricht man von einer Erektionsstörung?

Von einer Erektionsstörung spricht man, wenn eine für den Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion über mindestens etwa sechs Monate wiederholt nicht zustande kommt oder nicht gehalten werden kann. Einzelne Episoden nach Alkohol, bei Müdigkeit, Stress oder in einer neuen Situation sind normal und kein Krankheitszeichen.

Für die Einordnung sind zwei Fragen besonders aussagekräftig. Erstens: Ist der Beginn plötzlich oder schleichend? Ein plötzlicher Beginn, situationsabhängig, mit erhaltenen morgendlichen Erektionen, spricht eher für psychische Ursachen. Ein schleichender Verlauf über Monate bis Jahre, in allen Situationen, mit nachlassenden morgendlichen Erektionen, spricht für eine körperliche Ursache.

Zweitens: Was hat sich sonst verändert? Neue Arzneimittel, eine neue Diagnose, Gewichtszunahme, Schnarchen mit Tagesmüdigkeit, Stimmungstief, Alkohol- oder Nikotinkonsum. Diese Zusammenhänge führen häufiger zur Ursache als jede Detailfrage zur Erektion selbst. Über beides zu sprechen fällt schwer und lohnt sich, weil die Ursache meist behandelbar ist.

Warum die Erektionsstörung ein Warnsignal ist

Eine Erektion ist ein Vorgang der Blutgefäße. Die Arterien des Penis haben einen kleineren Durchmesser als die Herzkranzgefäße, weshalb eine beginnende Verkalkung dort oft früher spürbar wird als am Herzen. Aus diesem Grund gilt die Erektionsstörung als frühes Zeichen einer Gefäßerkrankung, teilweise Jahre vor einem Herzereignis.

Daraus folgt der wichtigste Satz dieser Seite: Wer eine Erektionsstörung hat, sollte Blutdruck, Blutzucker und Blutfette bestimmen lassen und den Nikotinkonsum, das Gewicht und die Bewegung zum Thema machen. Diese Abklärung ist kein Umweg zum Rezept, sie ist der eigentliche medizinische Gewinn.

Weitere häufige Ursachen sind Diabetes mit Nervenschädigung, ein Testosteronmangel, neurologische Erkrankungen, Operationen und Bestrahlungen im Beckenbereich sowie Arzneimittel: bestimmte Blutdrucksenker, Antidepressiva, Präparate bei gutartiger Prostatavergrößerung und Cannabis. Auch der Schlaf zählt: Eine unbehandelte Schlafapnoe verschlechtert sowohl die Gefäße als auch den Hormonhaushalt.

Was können Sie ohne Arzneimittel tun?

Der wirksamste Hebel ist unspektakulär und zugleich der einzige, der die Ursache angeht: regelmäßige Bewegung, insbesondere Ausdauertraining, Gewichtsabnahme bei Übergewicht, Verzicht auf Nikotin, deutlich weniger Alkohol und die Behandlung von Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Blutfetten. Für Bewegung und Gewichtsabnahme ist eine Verbesserung der Erektionsfähigkeit belegt.

Ein Beckenbodentraining kann bei einem Teil der Betroffenen helfen und ist frei von Nebenwirkungen. Bei vorwiegend psychischen Ursachen, bei Versagensangst und bei Konflikten in der Partnerschaft ist eine sexualtherapeutische oder psychotherapeutische Begleitung wirksamer als jede Tablette; beides lässt sich auch kombinieren.

Zurückhaltung ist bei frei im Internet angebotenen Potenzmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln geboten. Sie enthalten immer wieder nicht deklarierte verschreibungspflichtige Wirkstoffe in unbekannter Dosis; das BASG warnt regelmäßig vor gefälschten Arzneimitteln. In Kombination mit Nitraten kann das lebensgefährlich sein. Arzneimittel gehören in die Apotheke, nicht in den Postversand aus unklarer Quelle: Der Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel nach Österreich ist ohnehin verboten.

Warum PDE-5-Hemmer rezeptpflichtig sind

Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil verstärken die Gefäßerweiterung im Schwellkörper und wirken nur bei sexueller Erregung. In Österreich sind sie rezeptpflichtig, und dafür gibt es zwei sachliche Gründe.

Der erste ist eine Wechselwirkung, die tödlich verlaufen kann: Zusammen mit Nitraten, wie sie bei Angina pectoris eingesetzt werden, und mit Molsidomin kann der Blutdruck dramatisch abfallen. Vorsicht gilt außerdem bei bestimmten Alphablockern, bei schwerer Herzschwäche, kurz nach Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei sehr niedrigem Blutdruck, bei schweren Leber- oder Nierenerkrankungen und bei bestimmten Augenerkrankungen.

Der zweite Grund ist medizinisch mindestens ebenso wichtig: Wird nur das Symptom behandelt, bleibt die Ursache unentdeckt. Deshalb erfasst die Ärztin oder der Arzt vor einer Verordnung Blutdruck, Vorerkrankungen, Herzbelastbarkeit und die vollständige Medikation. Werbung für rezeptpflichtige Arzneimittel gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern ist in Österreich verboten, deshalb finden Sie auf dieser Seite Wirkstoffe und Zusammenhänge, aber keine Produktempfehlung.

Warnzeichen: wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Wählen Sie den Notruf 144 bei einer Erektion, die länger als vier Stunden anhält und schmerzhaft ist. Ein solcher Dauerzustand kann das Gewebe dauerhaft schädigen und ist ein urologischer Notfall, der nicht bis zum nächsten Tag warten darf.

Ebenso sofort ärztliche Hilfe brauchen Sie bei plötzlichem Sehverlust oder Gesichtsfeldausfall an einem Auge, bei plötzlichem Hörverlust oder Ohrgeräusch, bei Brustschmerz, Atemnot oder Ohnmacht während oder nach dem Geschlechtsverkehr. Brechen Sie die Einnahme in diesen Fällen ab und wenden Sie sich an die Notaufnahme eines Spitals.

Zeitnah ärztlich abklären lassen sollten Sie außerdem: eine Erektionsstörung, die plötzlich nach einem Unfall oder einer Operation auftritt, eine Verkrümmung des Penis mit Schmerzen, tastbare Verhärtungen, Blut im Ejakulat oder Harn, deutlich verminderten Geschlechtstrieb mit Müdigkeit und Muskelabbau als möglichen Hinweis auf Testosteronmangel sowie jede Erektionsstörung, die zusammen mit Brustschmerz bei Belastung auftritt. Der letzte Punkt gehört zum Kardiologen, nicht zur Tablette.

Wie läuft eine ärztliche Beurteilung bei MEDINOW ab?

Sie beantworten einen medizinischen Fragebogen zu Beschwerden, Vorerkrankungen, Blutdruck, Herzbelastbarkeit und allen Arzneimitteln, die Sie einnehmen. Eine Ärztin oder ein Arzt beurteilt diese Angaben und entscheidet, ob eine Verordnung vertretbar ist. Es gibt keine Videosprechstunde, kein Telefonat und keinen Chat.

Abgelehnt wird die Verordnung insbesondere bei Einnahme von Nitraten oder Molsidomin, bei instabiler Herzerkrankung, bei einem kürzlichen Herzinfarkt oder Schlaganfall, bei ungeklärten Brustschmerzen, bei sehr niedrigem oder schlecht eingestelltem Blutdruck sowie dann, wenn wesentliche Angaben fehlen. In diesen Fällen verweisen wir an eine Ordination, weil dort untersucht werden kann, was ein Fragebogen nicht erfasst.

Fällt die Entscheidung für eine Verordnung, erhalten Sie ein PDF-Dokument nach dem Anhang der Richtlinie 2012/52/EU per E-Mail. Damit gehen Sie in jede Apotheke und weisen sich mit einem Lichtbildausweis aus. Da das Dokument von einer Ärztin oder einem Arzt aus einem anderen EU-Staat stammt, gilt es in Österreich als Privatrezept: Sie zahlen den vollen Preis des Arzneimittels selbst, eine Beteiligung der Sozialversicherung über die e-card erfolgt nicht.

Gibt es PDE-5-Hemmer ohne Rezept?

In Österreich sind Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil rezeptpflichtig. Angebote ohne Rezept aus dem Internet sind ein Risiko: Bei gefälschten Präparaten sind Wirkstoff und Dosis unbekannt, und die Kombination mit Nitraten kann lebensgefährlich sein. Der Versand rezeptpflichtiger Arzneimittel nach Österreich ist verboten.

Was ist der Unterschied zwischen Sildenafil und Tadalafil?

Beide wirken über denselben Mechanismus, unterscheiden sich aber in der Wirkdauer und im Einnahmeschema. Welcher Wirkstoff geeignet ist, hängt von Begleiterkrankungen, anderen Arzneimitteln und den eigenen Erwartungen ab; das ist Teil der ärztlichen Beurteilung.

Zahlt die Sozialversicherung die Behandlung?

Erektionsstörungen werden in Österreich in der Regel nicht auf Kassenkosten behandelt; Arzneimittel gegen erektile Dysfunktion sind üblicherweise selbst zu bezahlen. Ein Rezept aus einem anderen EU-Staat gilt ohnehin als Privatrezept, also als Selbstzahlerleistung.

Ist eine Erektionsstörung im Alter normal?

Die Häufigkeit steigt mit dem Alter, aber normal im Sinn von unbedenklich ist sie nicht: Sie ist häufig mit Bluthochdruck, Diabetes und Gefäßverkalkung verbunden. Deshalb lohnt die Abklärung unabhängig davon, ob eine Behandlung gewünscht wird.

Was kann ich tun, wenn die Ursache psychisch ist?

Bei plötzlichem Beginn, erhaltenen morgendlichen Erektionen und situationsabhängigen Beschwerden sind Versagensangst, Stress und Konflikte in der Partnerschaft häufig. Wirksam sind Sexual- oder Psychotherapie und offene Gespräche, gegebenenfalls kombiniert mit einer zeitlich begrenzten medikamentösen Unterstützung.