Antibiotika und Alkohol: bei welchen Wirkstoffen es gefährlich wird

Bei vielen gängigen Antibiotika nennt die Fachinformation keine Wechselwirkung mit Alkohol, bei einigen aber eine ernste: Metronidazol und Secnidazol können zusammen mit Alkohol eine Unverträglichkeitsreaktion mit Übelkeit, Erbrechen und Kreislaufbeschwerden auslösen. Diese Seite zeigt, was die österreichischen Fachinformationen zu Alkohol sagen, wie lange nach der letzten Dosis Vorsicht gilt und welche Nebenwirkungen bei Antibiotika typisch sind.

Tabelle: Antibiotika und Alkohol laut Fachinformation

Für diese Übersicht haben wir die Fachinformation je eines in Österreich zugelassenen Präparats pro Wirkstoff gelesen, vor allem die Abschnitte 4.4 (Warnhinweise) und 4.5 (Wechselwirkungen). Andere Präparate mit demselben Wirkstoff können anders formuliert sein; maßgeblich ist die Gebrauchsinformation Ihrer Packung. Alle Fachinformationen sind im Arzneispezialitätenregister des BASG frei abrufbar.

Wirkstoff (gelesenes Präparat)Was die Fachinformation zu Alkohol sagt
Metronidazol (Anaerobex Filmtabletten)Jeglichen Alkohol während der Behandlung und mindestens 48 Stunden danach meiden; beschrieben ist eine Antabus-artige Reaktion mit Übelkeit, Erbrechen, Flush und Blutdruckabfall
Metronidazol in Kombination (Pylera, zur Behandlung von Helicobacter pylori)Keine alkoholischen Getränke während der Therapie und mindestens 24 Stunden nach Abschluss
Secnidazol (Secnisolo 2 g Granulat)Jeglichen Alkohol und alkoholhaltige Arzneimittel während der Therapie meiden; möglich ist eine Antabus-artige Reaktion mit Hitze, Rötung, Erbrechen und Herzrasen
Linezolid (Zyvoxid Filmtabletten)Keine großen Mengen tyraminreicher Nahrungsmittel und Getränke, genannt werden unter anderem nicht destillierte alkoholische Getränke
Doxycyclin (Doxybene lösbare Tabletten)Bei chronischem Alkoholismus kann sich die Halbwertszeit verkürzen; die Therapie soll dann kritisch überwacht werden
Amoxicillin (Amoxicillin 1A Pharma), Amoxicillin mit Clavulansäure (AmoxiPlus ratiopharm), Phenoxymethylpenicillin (Ospen)Kein Hinweis auf Alkohol
Cefuroxim (Zinnat), Cefalexin (Ospexin), Cefaclor (Ceclor), Cefixim (Tricef)Kein Hinweis auf Alkohol
Clarithromycin (Clarithromycin 1A Pharma), Azithromycin (Azithromycin 1A Pharma)Kein Hinweis auf Alkohol
Ciprofloxacin (Ciflox), Levofloxacin (Levofloxacin 1A Pharma), Moxifloxacin (Avelox)Kein Hinweis auf Alkohol
Nitrofurantoin (Furadantin retard), Fosfomycin (Monuril), Pivmecillinam (Selexid), Trimethoprim (Motrim), Cotrimoxazol (Eusaprim forte), Clindamycin (Clindac Sandoz)Kein Hinweis auf Alkohol

Metronidazol: warum Alkohol hier tabu ist

Metronidazol wird laut Fachinformation unter anderem bei Infektionen mit Metronidazol-empfindlichen Erregern, bei Trichomoniasis, bei bestimmten gynäkologischen Infektionen und in Kombination gegen Helicobacter pylori angewendet. Die Fachinformation von Anaerobex verlangt, während der Therapie jeglichen Alkoholgenuss zu vermeiden, und begründet das mit einer Alkoholintoleranz. Nach gleichzeitigem Alkoholkonsum wurde ein Antabus-artiges Bild mit Übelkeit, Erbrechen, Flush und Blutdruckabfall beschrieben. Patientinnen und Patienten sollen während der Behandlung und mindestens 48 Stunden danach keinen Alkohol trinken. Schon die Tablette soll laut Fachinformation mit etwas Flüssigkeit, aber nicht mit einem alkoholhaltigen Getränk eingenommen werden.

Auch die Fahrtüchtigkeit kann unter Metronidazol beeinträchtigt sein, verstärkt zu Behandlungsbeginn und im Zusammenwirken mit Alkohol. Weitere Hinweise aus derselben Fachinformation: Der Harn kann sich dunkel färben, und Metronidazol verstärkt die Wirkung gerinnungshemmender Mittel wie Warfarin. Wer Disulfiram einnimmt, muss das vor der Verordnung sagen, weil die Kombination zu Psychosen und Verwirrtheit führen kann.

Die Fristen nach der letzten Dosis unterscheiden sich je nach Präparat: Anaerobex nennt mindestens 48 Stunden, das Kombinationspräparat Pylera mindestens 24 Stunden. Richten Sie sich nach der Gebrauchsinformation der Packung, die Sie tatsächlich einnehmen. Tinidazol, das in manchen Ländern ähnlich eingesetzt wird, ist im österreichischen Arzneispezialitätenregister nicht eingetragen; für ein Präparat aus dem Ausland gilt dessen eigene Packungsbeilage.

Secnidazol und Alkohol in Arzneimitteln

Secnidazol gehört wie Metronidazol zu den Nitroimidazolen. Secnisolo 2 g Granulat wird laut Fachinformation bei Erwachsenen zur Behandlung der urogenitalen Trichomoniasis und der bakteriellen Vaginose angewendet. Während der Therapie sind jeglicher Alkohol und auch alkoholhaltige Arzneimittel zu vermeiden, denn die Kombination kann eine Antabus-artige Reaktion mit Hitze, Rötung, Erbrechen und Herzrasen auslösen.

Eine feste Stundenzahl für danach nennt die Fachinformation nicht. Sie verlangt, vor dem nächsten Alkohol die vollständige Ausscheidung unter Berücksichtigung der Halbwertszeit abzuwarten, und gibt die mittlere Plasmahalbwertszeit mit 17,5 Stunden an. Fragen Sie in der Apotheke, ab wann das für Sie gilt.

Der Hinweis auf alkoholhaltige Arzneimittel betrifft auch andere Präparate, die Sie zur selben Zeit nehmen. Achten Sie in deren Gebrauchsinformation auf Alkohol (Ethanol) unter den Bestandteilen, und fragen Sie im Zweifel in der Apotheke.

Linezolid und Doxycyclin: andere Gründe zur Vorsicht

Bei Linezolid geht es nicht um den Alkohol selbst, sondern um Tyramin. Laut Fachinformation von Zyvoxid sollen Patientinnen und Patienten keine großen Mengen tyraminreicher Nahrungsmittel und Getränke zu sich nehmen, genannt werden reifer Käse, Hefeextrakte, nicht destillierte alkoholische Getränke und fermentierte Sojaprodukte wie Sojasauce.

Bei Doxycyclin beschreibt die Fachinformation von Doxybene, dass chronischer Alkoholismus die Halbwertszeit des Wirkstoffs verkürzen kann; in diesem Fall soll die Therapie kritisch überwacht werden. Dieselbe Fachinformation empfiehlt außerdem, während der Behandlung eine andere, nicht hormonelle Verhütungsmethode anzuwenden, weil die Wirkung der Pille beeinträchtigt sein kann.

Wie lange nach dem Antibiotikum warten?

Eine Wartezeit nennen von den gelesenen Fachinformationen nur die Präparate mit Metronidazol und Secnidazol: mindestens 48 Stunden bei Anaerobex, mindestens 24 Stunden bei Pylera und die vollständige Ausscheidung bei Secnisolo. Für die übrigen Wirkstoffe der Tabelle steht dort keine Frist.

Das ist keine Empfehlung zum Trinken. Das Gesundheitsportal rät, Antibiotika in der Regel mit Wasser einzunehmen, weil Säfte, Milchprodukte oder Alkohol die Wirksamkeit beeinflussen können. Während einer Infektion ist Schonung ohnehin sinnvoll. Im Zweifel fragen Sie in der Apotheke, was für Ihr Präparat gilt.

Typische Nebenwirkungen von Antibiotika

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Antibiotika zählt das Gesundheitsportal Bauchschmerzen, Übelkeit oder Durchfall, Kopfschmerzen, metallischen Geschmack, allergische Hautreaktionen wie Rötung, Nesselausschlag oder Juckreiz und Pilzinfektionen der Schleimhäute, etwa in der Scheide. Bei Metronidazol führt die Fachinformation von Anaerobex Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Durchfall und Verstopfung als häufig und metallischen Geschmack als gelegentlich an.

Zwei Situationen sind ernst. Schwere, anhaltende Durchfälle können laut Fachinformation von Anaerobex auf eine antibiotikabedingte Darmentzündung hinweisen, die lebensbedrohlich sein kann; holen Sie dann ärztlichen Rat ein und nehmen Sie kein Mittel gegen Durchfall auf eigene Faust, denn peristaltikhemmende Präparate sind in dieser Lage kontraindiziert. Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder am Hals und ein Kreislaufkollaps sind Zeichen einer schweren allergischen Reaktion: Rufen Sie die Rettung unter 144. Wer früher ein Antibiotikum nicht vertragen hat, sagt das vor jeder neuen Verordnung.

Neue Infektion, alte Tabletten

Antibiotika werden so lange eingenommen, wie es verordnet wurde, auch wenn die Beschwerden früher abklingen. Übrig gebliebene Tabletten sollen laut Gesundheitsportal nicht für eine spätere Anwendung aufgehoben oder anderen Menschen gegeben werden. Ein neuer Infekt braucht eine neue Beurteilung: Viele Infekte sind viral, und gegen Viren helfen Antibiotika nicht; ob ein Antibiotikum nötig ist und welches, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach der aktuellen Diagnose.

Bei einer neuen Infektion mit Fieber oder starken Beschwerden ist die Ordination der richtige Weg, außerhalb der Ordinationszeiten helfen die Gesundheitsberatung 1450 und der Ärztenotdienst 141. Wie Amoxicillin wirkt und dosiert wird, beschreibt die Seite zu Amoxicillin; einen Überblick über die Wirkstoffgruppen gibt die Seite Antibiotika.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, polnische Approbation, Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Eine ärztliche Einschätzung Ihrer persönlichen Situation kann dieser Beitrag nicht ersetzen.

Darf man bei Antibiotika Alkohol trinken?

Das hängt vom Wirkstoff ab. Bei Metronidazol und Secnidazol ist Alkohol laut Fachinformation tabu, bei Linezolid sollen tyraminreiche Getränke gemieden werden. Bei vielen anderen Antibiotika nennt die Fachinformation keine Wechselwirkung; das Gesundheitsportal empfiehlt trotzdem, Antibiotika mit Wasser einzunehmen.

Wie lange nach Metronidazol keinen Alkohol trinken?

Laut Fachinformation von Anaerobex mindestens 48 Stunden nach der letzten Dosis, laut Fachinformation des Kombinationspräparats Pylera mindestens 24 Stunden. Maßgeblich ist die Gebrauchsinformation Ihrer Packung.

Was passiert, wenn man Metronidazol und Alkohol kombiniert?

Beschrieben ist eine Antabus-artige Reaktion mit Übelkeit, Erbrechen, Flush und Blutdruckabfall. Bei Kreislaufproblemen oder Atemnot rufen Sie die Rettung unter 144.

Darf ich zu Amoxicillin Alkohol trinken?

Die Fachinformation von Amoxicillin 1A Pharma nennt keine Wechselwirkung mit Alkohol. Das ist keine Empfehlung: Bei einer Infektion ist Schonung sinnvoll, und Alkohol kann laut Gesundheitsportal die Wirksamkeit von Antibiotika beeinflussen.

Welche Nebenwirkungen haben Antibiotika?

Häufig sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall, außerdem Kopfschmerzen, metallischer Geschmack, Hautausschlag und Pilzinfektionen der Schleimhäute. Schwerer, anhaltender Durchfall und Zeichen einer Allergie wie Atemnot gehören sofort ärztlich abgeklärt.

Kann ich übrig gebliebene Antibiotika beim nächsten Infekt nehmen?

Nein. Reste werden nicht für später aufgehoben und nicht weitergegeben. Eine neue Infektion braucht eine neue ärztliche Beurteilung, weil Erreger und passendes Antibiotikum andere sein können.