Finasterid bei erblich bedingtem Haarausfall
Finasterid hemmt die Bildung von Dihydrotestosteron, dem Hormon, das bei erblich bedingtem Haarausfall die Haarfollikel schrumpfen lässt. In Österreich ist es als Propecia 1 mg für Männer von 18 bis 41 Jahren zugelassen und rezeptpflichtig; Tabletten mit 5 mg dienen der Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung. Diese Seite fasst zusammen, was Fachinformation, Gebrauchsinformation und die Sicherheitsmitteilung des BASG zu Wirkung, Dauer und Risiken festhalten.
1 mg gegen Haarausfall, 5 mg für die Prostata
Finasterid gibt es in zwei Stärken mit völlig verschiedenen Anwendungsgebieten. Die 1-mg-Tablette ist im österreichischen Arzneispezialitätenregister als Propecia eingetragen und für Männer zwischen 18 und 41 Jahren in frühen Stadien des erblich bedingten Haarausfalls zugelassen. Laut Fachinformation stabilisiert sie diesen Prozess.
Tabletten mit 5 mg, etwa Proscar und mehrere Generika, auch in Kombination mit Doxazosin, sind zur Behandlung und Kontrolle einer gutartigen Prostatavergrößerung zugelassen; was dabei zu beachten ist, beschreibt die Seite Männergesundheit. Für Haarausfall sind sie nicht bestimmt.
Alle Präparate mit Finasterid sind in Österreich rezeptpflichtig und werden nur in Apotheken abgegeben. Für Frauen, Kinder und Jugendliche ist keines davon vorgesehen. Die Sicherheitsmitteilung des BASG nennt außerdem eine für dieselbe Indikation zugelassene Sprühlösung mit Finasterid (2,275 mg/ml) zum Auftragen auf die Kopfhaut; im österreichischen Arzneispezialitätenregister ist ein solches Präparat nicht eingetragen.
So greift Finasterid in den Haarzyklus ein
In den Haarfollikeln wandelt das Enzym 5-Alpha-Reduktase Typ II Testosteron in Dihydrotestosteron (DHT) um. Die kahl werdende Kopfhaut von Männern mit erblich bedingtem Haarausfall enthält verkleinerte Follikel und erhöhte Mengen an DHT. Finasterid hemmt dieses Enzym selektiv und blockiert so die Umwandlung; laut Fachinformation wird damit ein Vorgang gehemmt, der die Haarfollikel schrumpfen lässt, was zu einer Rückbildung des Glatzenprozesses führen kann. Gegen Haarausfall ist Finasterid nur bei dieser Form zugelassen.
Einnahme, Dauer und was nach dem Absetzen passiert
Eingenommen wird eine Tablette zu 1 mg täglich, mit oder ohne Mahlzeit. Dass eine höhere Dosis besser wirkt, ist laut Fachinformation nicht erwiesen, und eine vergessene Einnahme wird nicht durch die doppelte Menge ausgeglichen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist keine Anpassung nötig; wie sich eine Leberfunktionsstörung auswirkt, wurde nicht untersucht. Finasterid wird über das Enzymsystem Cytochrom P450 3A4 abgebaut. Mittel, die dieses System hemmen oder anregen, können den Spiegel verändern, ein klinisch bedeutsamer Anstieg gilt jedoch als unwahrscheinlich. Die Tabletten enthalten Lactose; bei den seltenen erblichen Störungen Galactose-Intoleranz, völliger Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollen sie laut Fachinformation nicht eingenommen werden.
Der Erfolg zeigt sich langsam und hält nur bei fortgesetzter Einnahme. Den Verlauf, wie ihn die Fachinformation beschreibt, fasst die Tabelle zusammen.
| Zeitpunkt | Laut Fachinformation Propecia, Abschnitt 4.2 |
|---|---|
| erste 3 bis 6 Monate | tägliche Einnahme nötig, bevor Anzeichen einer Stabilisierung erwartet werden können |
| laufende Behandlung | kontinuierliche Einnahme empfohlen, um den Nutzen zu erhalten; Wirksamkeit und Dauer laufend ärztlich beurteilen |
| innerhalb von 6 Monaten nach dem Absetzen | die günstigen Wirkungen beginnen sich zurückzubilden |
| 9 bis 12 Monate nach dem Absetzen | der ursprüngliche Zustand ist wieder erreicht |
Was die Zulassungsstudien gezeigt haben
Untersucht wurde Finasterid 1 mg in drei Studien an 1.879 Männern zwischen 18 und 41 Jahren mit leichtem bis mittelgradigem, nicht vollständigem Haarausfall am Hinterkopf und im vorderen bis mittleren Kopfbereich. In den zwei Studien zum Hinterkopf lief die Behandlung fünf Jahre. Danach war der Haarausfall bei 90 Prozent der Männer stabilisiert, gemessen an der Beurteilung von Übersichtsfotos; eine Zunahme des Haarwuchses zeigten je nach Messmethode 48 bis 77 Prozent. In der Placebogruppe schritt der Haarausfall nach der Haarzählung bei allen Männern fort.
In einer zwölfmonatigen Studie zum vorderen und mittleren Kopfbereich nahm die Zahl der Haare auf der Messfläche gegenüber dem Ausgangswert um rund 5 Prozent zu. Bei Frauen nach den Wechseljahren ließ sich in einer Studie über zwölf Monate keine Wirksamkeit von Finasterid 1 mg nachweisen. Die Zahlen sind Studienergebnisse und keine Zusage für den Einzelfall.
Nebenwirkungen laut Fachinformation
Gelegentlich, also bei bis zu einem von 100 Behandelten, treten verminderte Lust auf Sex, Erektionsstörungen, Störungen des Samenergusses einschließlich einer geringeren Ejakulatmenge sowie Depressionen auf. In den Studien waren sexuelle Nebenwirkungen im ersten Jahr unter Finasterid häufiger als unter Placebo (3,8 gegenüber 2,1 Prozent); in den folgenden vier Jahren sank ihre Häufigkeit unter Finasterid auf 0,6 Prozent. Etwa ein Prozent der Männer in jeder Gruppe beendete die Behandlung im ersten Jahr deshalb.
Beenden Sie die Einnahme und holen Sie ärztliche Hilfe, wenn Gesicht, Zunge oder Rachen anschwellen, Sie schlecht schlucken oder atmen, eine Nesselsucht auftritt oder Suizidgedanken aufkommen; bei Atemnot verständigen Sie die Rettung unter 144. Mit nicht bekannter Häufigkeit wurden außerdem berichtet:
- Überempfindlichkeitsreaktionen wie Ausschlag, Juckreiz und Nesselsucht
- Angstgefühl und Suizidgedanken
- Herzklopfen und erhöhte Leberwerte
- Berührungsempfindlichkeit und Vergrößerung der Brust, Hodenschmerzen, Blut in der Samenflüssigkeit
- Unfruchtbarkeit und schlechte Samenqualität
- sexuelle Funktionsstörungen, die nach dem Absetzen fortbestehen, sowie Brustkrebs bei Männern (Berichte nach der Markteinführung)
Stimmung und Suizidgedanken: Mitteilung des BASG
Nach einer EU-weiten Bewertung durch die Europäische Arzneimittel-Agentur hat das BASG Ärzteschaft und Apotheken informiert, dass Suizidgedanken eine bestätigte Nebenwirkung von Finasterid zum Einnehmen sind. Ihre Häufigkeit lässt sich aus den Daten nicht abschätzen; berichtet werden sie vor allem von Männern, die wegen Haarausfall behandelt werden. In der europäischen Nebenwirkungsdatenbank fanden sich dazu 325 relevante Meldungen zu Finasterid und Dutasterid, 313 davon zu Finasterid; dem steht bei Finasterid eine geschätzte Anwendung von rund 270 Millionen Patientenjahren gegenüber. Gedrückte Stimmung, Depression und, seltener, Suizidgedanken standen schon davor als Warnhinweis in der Fachinformation; neu sind der ausdrückliche Hinweis auf die Rolle sexueller Funktionsstörungen und die Patientenkarte.
Für Sie heißt das: Bemerken Sie eine gedrückte Stimmung, eine Depression oder Suizidgedanken, beenden Sie die Einnahme und holen Sie ärztlichen Rat ein. Weil sexuelle Funktionsstörungen zu solchen Stimmungsänderungen beitragen können, sprechen Sie auch Probleme mit Lust, Erektion oder Samenerguss ärztlich an; ein Absetzen kommt dann in Betracht. Jeder Packung mit 1 mg liegt eine Patientenkarte bei, die an diese Punkte erinnert.
In einer seelischen Krise: Telefonseelsorge 142, rund um die Uhr und kostenlos; im Notfall Rettung 144 oder Euronotruf 112.
PSA-Wert, Brust und Fruchtbarkeit
Finasterid senkt den PSA-Wert, der bei der Früherkennung von Prostatakrebs bestimmt wird. In den Studien fiel der mittlere Wert nach zwölf Monaten von 0,7 auf 0,5 ng/ml; laut Fachinformation sollte vor der Beurteilung eine Verdoppelung des gemessenen Werts erwogen werden. Sagen Sie deshalb vor jeder PSA-Bestimmung, dass Sie Finasterid nehmen.
Veränderungen an der Brust wie Knoten, Schmerzen, Vergrößerung oder Ausfluss aus der Brustwarze lassen Sie ohne Aufschub ärztlich abklären, denn nach der Markteinführung wurde über Brustkrebs bei Männern unter Finasterid 1 mg berichtet.
Zur Fruchtbarkeit gibt es keine Langzeitdaten. Berichtet wurden Unfruchtbarkeit und schlechte Samenqualität, teils bei Männern mit weiteren Risikofaktoren; nach dem Absetzen wurde eine Normalisierung oder Verbesserung beschrieben. In einer 48-wöchigen Studie sank das Ejakulatvolumen unter Finasterid 1 mg um durchschnittlich 0,3 ml, unter Placebo um 0,2 ml, ohne Veränderung von Anzahl, Beweglichkeit oder Form der Spermien. Bei Kinderwunsch gehört die Behandlung ärztlich besprochen.
Schwangerschaft: warum zerbrochene Tabletten tabu sind
Finasterid ist bei Frauen kontraindiziert. Nimmt eine Schwangere den Wirkstoff auf, kann er bei einem männlichen Fötus Fehlbildungen der äußeren Geschlechtsorgane verursachen. Frauen, die schwanger sind oder schwanger sein könnten, dürfen zerkleinerte oder zerbrochene Tabletten deshalb nicht berühren; der Filmüberzug intakter Tabletten verhindert den Kontakt bei normaler Handhabung. Kam eine Schwangere dennoch mit dem Wirkstoff in Berührung, soll sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt wenden.
In der Samenflüssigkeit behandelter Männer wurde eine sehr kleine Menge Finasterid gefunden. Auf Grundlage von Studien an Rhesusaffen betrachtet die Fachinformation diese Menge nicht als Risiko für einen männlichen Fötus.
Rezept online anfragen
Am besten passt eine Anfrage, wenn Sie Finasterid 1 mg bereits nehmen, gut vertragen und die Behandlung fortführen möchten. Ein Beginn kann ebenfalls beurteilt werden, wenn sich aus Ihren Angaben ein typisches, langsam fortschreitendes Bild ergibt. Bei plötzlichem oder fleckförmigem Haarausfall, veränderter Kopfhaut oder weiteren Beschwerden gehört die Ursache zuerst in einer Ordination abgeklärt; was dabei hilft, erklärt die Übersicht zu Haarausfall.
Im Fragebogen schildern Sie das gewünschte Präparat, den Verlauf des Haarausfalls, Vorerkrankungen und alle weiteren Arzneimittel. Bei Finasterid besonders wichtig: frühere oder bestehende depressive Phasen, sexuelle Probleme, ein Kinderwunsch und anstehende PSA-Kontrollen. Der Arzt prüft die Angaben, kann Unterlagen nachfordern oder eine Untersuchung empfehlen und entscheidet, ob er verordnet; einen Anspruch auf ein Rezept gibt es nicht. Stimmt er zu, bekommen Sie ein Privatrezept als PDF per E-Mail, das Sie innerhalb eines Monats in einer Apotheke vorlegen; ob sie es einlöst, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker. Das Arzneimittel bezahlen Sie selbst.
Das Honorar gilt der ärztlichen Prüfung und ist keine Bezahlung für ein bestimmtes Dokument. Bei Ablehnung aus medizinischen oder rechtlichen Gründen erstatten wir es. Für nachgeforderte Unterlagen bleiben Ihnen mindestens 7 Tage, Sie erhalten eine Erinnerung, und die Frist lässt sich auf Wunsch verlängern. Kommt die Beurteilung trotzdem nicht zum Abschluss, schließen wir die Anfrage und erstatten das gesamte Honorar.
Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, polnische Approbation, Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Eine ärztliche Einschätzung Ihrer persönlichen Situation kann dieser Beitrag nicht ersetzen.
Ist Finasterid in Österreich rezeptfrei?
Nein. Alle Präparate mit Finasterid sind rezeptpflichtig, das gilt für Propecia 1 mg gegen Haarausfall ebenso wie für die 5-mg-Tabletten bei Prostatavergrößerung. Abgegeben werden sie nur in Apotheken gegen ärztliche Verschreibung.
Wie lange dauert es, bis Finasterid wirkt?
Im Allgemeinen braucht es drei bis sechs Monate tägliche Einnahme, bis sich der Haarausfall stabilisiert. Mehr als eine Tablette am Tag beschleunigt das nicht. Ob Sie ansprechen, sollte im Verlauf ärztlich beurteilt werden.
Was passiert, wenn man Finasterid absetzt?
Das durch die Behandlung gewonnene Haar geht wahrscheinlich wieder verloren. Laut Gebrauchsinformation geschieht das innerhalb von neun bis zwölf Monaten nach dem Absetzen.
Kann man Finasterid 5 mg teilen statt 1 mg zu nehmen?
Die 5-mg-Tabletten sind für die gutartige Prostatavergrößerung zugelassen, nicht für Haarausfall, und laut Fachinformation unzerkaut einzunehmen. Beim Teilen wird außerdem Wirkstoff zugänglich, den Schwangere nicht berühren dürfen. Für Haarausfall ist die 1-mg-Tablette zugelassen.
Hilft Finasterid auch bei Geheimratsecken?
Für das Zurückweichen des Haaransatzes an beiden Schläfen und für Haarverlust im Endstadium wurde laut Fachinformation keine Wirksamkeit nachgewiesen. Untersucht wurde Finasterid bei Haarausfall am Hinterkopf sowie im vorderen und mittleren Kopfbereich.
Dürfen Frauen Finasterid nehmen?
Nein. Finasterid ist bei Frauen kontraindiziert, war bei Frauen nach den Wechseljahren in einer Studie nicht wirksam und gefährdet in der Schwangerschaft die Entwicklung eines männlichen Fötus. Für Frauen gibt es Minoxidil-Präparate zum Auftragen, die ausdrücklich für sie zugelassen sind.
Kann man Finasterid und Minoxidil kombinieren?
Laut dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs lassen sich beide Wirkstoffe kombinieren. Minoxidil wird auf die Kopfhaut aufgetragen und ist rezeptfrei; Anwendung und Nebenwirkungen beschreibt die Seite zu Minoxidil.
- Fachinformation Propecia 1 mg Filmtabletten (BASG, Abschnitte 4.1 bis 4.8 und 5.1)
- Gebrauchsinformation Propecia 1 mg Filmtabletten (BASG, Abschnitte 2 bis 4)
- BASG: Sicherheitsmitteilung zu Finasterid und Dutasterid, Risiko für Suizidgedanken (15.09.2025)
- Fachinformation Proscar 5 mg Filmtabletten (BASG, Abschnitte 4.1 und 4.2)
- Gesundheit.gv.at: Haarausfall, Ursachen und Behandlung
- Rezeptpflichtgesetz § 4, Gültigkeit von Rezepten (RIS)