Minoxidil: Lösung und Schaum gegen erblichen Haarausfall

Minoxidil ist neben Finasterid der zweite zugelassene Wirkstoff gegen erblich bedingten Haarausfall. Als Lösung, Spray oder Schaum für die Kopfhaut ist er in Österreich rezeptfrei, aber nur in Apotheken erhältlich. Diese Seite erklärt, wie die Präparate angewendet werden, welche Nebenwirkungen ihre Fachinformationen nennen und warum Minoxidil-Tabletten für Haarausfall nicht zugelassen sind. Eine Rezeptanfrage gibt es hier deshalb nicht.

Welche Präparate es gibt und für wen sie zugelassen sind

Im österreichischen Arzneispezialitätenregister sind Minoxidil-Präparate mit 20 mg/ml (2 %) und 50 mg/ml (5 %) als Lösung oder Spray sowie als Schaum mit 5 % eingetragen, darunter Regaine, Alopexy und mehrere weitere Marken. Alle sind rezeptfrei und werden nur in Apotheken abgegeben. Für wen welche Stärke gedacht ist, unterscheidet sich je nach Präparat; die Tabelle zeigt Beispiele aus den Fachinformationen. Maßgeblich ist immer die Gebrauchsinformation der Packung, die Sie verwenden.

Eine Sonderstellung haben die Tabletten Loniten mit 5 mg Minoxidil: Sie sind rezeptpflichtig und ausschließlich für schwer behandelbaren Bluthochdruck zugelassen.

PräparatZugelassen fürDosierung laut Fachinformation
Regaine 2 % Lösungerwachsene Frauen und Männer unter 65 Jahren mit erblich bedingtem Haarausfallzweimal täglich 1 ml, höchstens 2 ml pro Tag
Regaine 5 % LösungMänner von 18 bis 65 Jahrenzweimal täglich 1 ml, höchstens 2 ml pro Tag
Alopexy 50 mg/ml Lösungerwachsene Männer mit mittelschwerem erblich bedingtem Haarausfallzweimal täglich 1 ml, höchstens 2 ml pro Tag
Regaine 5 % Schaumerwachsene Männerzweimal täglich 1 g (eine halbe Schutzkappe), höchstens 2 g pro Tag
Regaine Frauen 5 % SchaumFrauen mit Haarausfall vom weiblichen Typeinmal täglich 1 g, höchstens 1 g pro Tag

Wie Minoxidil auf der Kopfhaut wirkt

Wie Minoxidil den Haarwuchs anregt, ist nicht vollständig geklärt. Laut Fachinformation vergrößert es den Durchmesser des Haarschafts, verlängert die Wachstumsphase und verkürzt die Ruhephase, sodass Haare schneller wieder zu wachsen beginnen. Als gefäßerweiternder Wirkstoff verbessert es außerdem die Durchblutung an den Haarfollikeln. Von einer Lösung, die auf gesunde Kopfhaut aufgetragen wird, gelangen nur etwa 1 bis 2 Prozent in den Kreislauf; bei Tabletten sind es 90 bis 100 Prozent.

Richtig auftragen

Haar und Kopfhaut müssen vollkommen trocken sein. Die Lösung wird von der Mitte der betroffenen Stelle aus aufgetragen, und zwar in der vorgegebenen Menge, unabhängig davon, wie groß die Fläche ist. Danach waschen Sie die Hände gründlich. Mehr Menge oder häufigeres Auftragen verbessert das Ergebnis nicht, kann aber mehr Wirkstoff in den Körper bringen. Auf andere Körperstellen aufgetragen, löst Minoxidil dort unter Umständen unerwünschten Haarwuchs aus.

Andere Arzneimittel für die Kopfhaut, etwa mit Kortison, Tretinoin oder Dithranol, sollen nicht gleichzeitig angewendet werden; Tretinoin und Dithranol können die Aufnahme von Minoxidil steigern. Gelangt das Mittel ins Auge, brennt es; spülen Sie dann mit reichlich kaltem Wasser. Die Regaine-Lösung enthält Propylenglykol und Alkohol, die die Haut reizen können. Der Regaine-Schaum enthält kein Propylenglykol, aber ebenfalls Alkohol sowie weitere Hilfsstoffe, die örtlich reizen können. Solange die Lösung feucht ist, kann sie Kopfkissen oder Hüte verfärben.

Wann sich etwas zeigt und warum am Anfang mehr Haare ausfallen

Neuen Haarwuchs kann man laut Fachinformation der Regaine-Lösung frühestens nach vier Monaten erwarten, beim Regaine-Schaum nach zwei bis vier Monaten. Zeigt sich mit dem Schaum nach vier Monaten keine Verbesserung, wird die Behandlung beendet. Nach Abschnitt 5.1 der Fachinformation erreichen nach einem Jahr bis zu 40 Prozent der Anwender der 2-%-Lösung ein kosmetisch zufriedenstellendes Nachwachsen, mit 5 % etwa die Hälfte. In der Phase-III-Studie zum 5-%-Schaum nahm die Zahl der Haare nach 16 Wochen um durchschnittlich 21 pro Quadratzentimeter zu, unter wirkstofffreiem Schaum um 4.

Zu Beginn kann der Haarausfall vorübergehend zunehmen. Er setzt meist zwei bis sechs Wochen nach Anwendungsbeginn ein und klingt innerhalb einiger Wochen ab: Alte Haare fallen aus und machen nachwachsenden Platz. Hält er bei der Regaine-Lösung länger als zwei Wochen ohne Besserung an, wird die Anwendung abgebrochen und eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht; andere Präparate nennen eigene Fristen, Alopexy etwa sechs Wochen.

Hilft Minoxidil, muss es dauerhaft angewendet werden. Nach dem Absetzen endet das Wachstum der neuen Haare, und nach drei bis vier Monaten entspricht der Zustand wieder dem vor der Behandlung. Fortgeschrittener, seit mehr als zehn Jahren bestehender Haarausfall spricht schlechter an. Vorhersagen lässt sich das Ansprechen im Einzelfall nicht; nach der Fachinformation von Alopexy reagieren jüngere Anwender, Männer mit kürzerer Dauer der Glatzenbildung und mit kleinerer betroffener Fläche am Scheitel tendenziell besser.

Nebenwirkungen und Warnzeichen

Die Fachinformation der Regaine-5-%-Lösung nennt Kopfschmerzen als sehr häufige Nebenwirkung; die des Schaums stuft sie als häufig ein. Häufig treten laut der Fachinformation der Lösung Juckreiz, Hautausschlag, Hautentzündungen auch in akneartiger Form, vermehrter Haarwuchs außerhalb der behandelten Stelle, bei Frauen auch im Gesicht, Atemnot, Wassereinlagerungen an Armen oder Beinen und eine Gewichtszunahme auf. Gelegentlich kommt es zu Schwindel oder Übelkeit. Mit nicht bekannter Häufigkeit wurden unter anderem allergische Reaktionen bis zur Schwellung von Lippen und Zunge, Herzrasen, Herzklopfen, niedriger Blutdruck, Brustschmerzen, eine gedrückte Stimmung, Reizungen an der Anwendungsstelle sowie Veränderungen von Haarfarbe und Haarstruktur berichtet.

Nur ein kleiner Teil des Wirkstoffs wird aufgenommen, eine Wirkung auf Herz und Kreislauf ist aber nicht ganz auszuschließen. Beenden Sie die Anwendung und lassen Sie sich ärztlich beraten bei:

  • niedrigem Blutdruck, Brustschmerzen oder beschleunigtem Herzschlag
  • Schwäche oder Schwindel
  • plötzlicher, unerklärlicher Gewichtszunahme oder geschwollenen Händen oder Füßen
  • anhaltender Rötung oder Reizung der Kopfhaut
  • anderen unerwarteten neuen Beschwerden

Wann Minoxidil nicht angewendet wird

Minoxidil ist für den erblich bedingten Haarausfall gedacht. Bei plötzlich einsetzendem, starkem oder fleckförmigem Haarausfall, bei kreisrundem Haarausfall und bei Haarausfall unbekannter Ursache muss zuerst die Ursache abgeklärt werden. Wer eine Herz-Kreislauf-Erkrankung oder Herzrhythmusstörungen hat, holt vor Beginn ärztlichen Rat ein. Laut Fachinformation nicht angebracht ist Minoxidil außerdem:

  • bei Überempfindlichkeit gegen Minoxidil oder einen der Hilfsstoffe
  • auf entzündeter, infizierter, gereizter, schmerzender, verbrannter oder vernarbter Kopfhaut
  • bei Haarausfall unter einer Chemotherapie, durch Mangelernährung, nach dem Absetzen hormoneller Verhütungsmittel oder durch zu straff gebundene Haare
  • in Schwangerschaft und Stillzeit
  • bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren

Minoxidil-Tabletten gegen Haarausfall?

In Österreich ist kein Minoxidil zum Einnehmen gegen Haarausfall zugelassen. Das einzige Präparat in Tablettenform, Loniten 5 mg, ist für Bluthochdruck bestimmt, der trotz Höchstdosen besser verträglicher Mittel in Kombination nicht ausreichend sinkt, und wird immer zusammen mit einem harntreibenden Mittel und einem Betablocker gegeben. Seine Fachinformation hält ausdrücklich fest, dass die Tabletten wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen im ganzen Körper für keine Form der Alopezie geeignet sind.

Zu diesen Risiken zählen Salz- und Wassereinlagerungen, die eine Herzschwäche bis zur Entgleisung verschlechtern können, ein Erguss im Herzbeutel, der bei etwa 3 bis 5 Prozent der Behandelten ohne Dialyse beschrieben ist, und ein beschleunigter Herzschlag. Sehr häufig wachsen am ganzen Körper vermehrt Haare, meist zuerst im Gesicht. Selbst in der zugelassenen Anwendung soll die Einstellung in einer Spezialambulanz oder Klinik mit regelmäßigen Kontrollen erfolgen.

Die Einnahme von Minoxidil gegen Haarausfall ist daher eine Anwendung außerhalb der Zulassung. Wer darüber nachdenkt, bespricht das persönlich in einer hautärztlichen Ordination; über diese Seite gibt es dafür keine Rezeptanfrage.

Minoxidil und Finasterid gemeinsam

Minoxidil wirkt direkt am Haarfollikel, Finasterid zum Einnehmen senkt die Bildung von Dihydrotestosteron. Laut dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs können beide Wirkstoffe kombiniert werden. Finasterid ist rezeptpflichtig, nur für Männer zugelassen und hat eigene Risiken, die auf der Seite zu Finasterid beschrieben sind. Einen Überblick über Ursachen, Abklärung und alle Möglichkeiten gibt die Seite zu Haarausfall.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, polnische Approbation, Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Eine ärztliche Einschätzung Ihrer persönlichen Situation kann dieser Beitrag nicht ersetzen.

Braucht man für Minoxidil ein Rezept?

Für Lösung, Spray und Schaum nicht: Sie sind in Österreich rezeptfrei, werden aber nur in Apotheken abgegeben. Rezeptpflichtig sind lediglich die Loniten-Tabletten, und die sind für Bluthochdruck zugelassen.

Ist Minoxidil 5 % für Frauen geeignet?

Die 5-%-Lösungen von Regaine und Alopexy sind laut Fachinformation Männern vorbehalten. Bei Alopexy werden als Gründe die begrenzte Wirksamkeit bei Frauen und ein häufiger Haarwuchs außerhalb der behandelten Stelle genannt, der in 37 Prozent der Fälle auftrat. Für Frauen zugelassen sind etwa Regaine 2 % Lösung und ein eigener 5-%-Schaum zur einmal täglichen Anwendung.

Kann Minoxidil auf der Kopfhaut den Blutdruck senken?

In klinischen Prüfungen wurde keine Aufnahme in einer Menge gefunden, die für eine Wirkung im ganzen Körper ausreicht, ein Restrisiko bleibt aber. Laut Fachinformation des Schaums kann Minoxidil Schwindel oder niedrigen Blutdruck verursachen; wer das bemerkt, lenkt kein Fahrzeug und bedient keine Maschinen.

Ist Minoxidil für Kinder im Haushalt gefährlich?

Ja, wenn es verschluckt wird: Eine versehentliche Einnahme kann schwere Nebenwirkungen am Herzen auslösen, bewahren Sie die Flasche daher außer Reichweite von Kindern auf. Bei Kleinkindern wurde außerdem vermehrter Haarwuchs nach Hautkontakt mit den behandelten Stellen einer Betreuungsperson beschrieben. Bei Verdacht auf Verschlucken hilft die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43.

Hilft Minoxidil auch bei kreisrundem Haarausfall?

Dafür ist es nicht zugelassen. Bei kreisrundem und bei plötzlich einsetzendem, starkem Haarausfall verlangt die Fachinformation zuerst eine Abklärung möglicher Grunderkrankungen. Behandelt wird kreisrunder Haarausfall laut Gesundheitsportal anders, etwa mit Kortison, das auf die Kopfhaut aufgetragen oder in sie eingespritzt wird.

Kann man Minoxidil-Tabletten gegen Haarausfall bekommen?

Zugelassen sind sie dafür nicht. Loniten-Tabletten sind rezeptpflichtig, für schwer behandelbaren Bluthochdruck bestimmt und laut Fachinformation für keine Form des Haarausfalls geeignet. Für die Kopfhaut gibt es Minoxidil rezeptfrei in der Apotheke.