Erblich bedingter Haarausfall beim Mann: Ursachen und Behandlung
Wenn sich das Haar an Stirn, Schläfen oder Hinterkopf lichtet, steckt bei Männern meist eine erbliche Veranlagung dahinter. Dieser Haarausfall schreitet über Jahre langsam fort; Medikamente können ihn bremsen, allerdings nur, solange man sie anwendet. Hier lesen Sie, woran Sie ihn von anderen Formen unterscheiden, welche Mittel in Österreich zugelassen sind, was sie realistisch leisten und wann statt einer Online-Anfrage der Weg in eine hautärztliche Ordination der richtige ist.
Woran man erblich bedingten Haarausfall erkennt
Fachleute sprechen von androgenetischer Alopezie. Sie folgt beim Mann einem typischen Muster: Der Haaransatz weicht an Stirn und Schläfen zurück, es entstehen die sogenannten Geheimratsecken. Am Haarwirbel des Hinterkopfs bildet sich eine anfangs kleine lichte Stelle, die sich über die Jahre bis zu einem Haarkranz ausdehnen kann. Bei etwa einem von zehn betroffenen Männern sieht das Muster eher weiblich aus, das Haar dünnt dann gleichmäßig am Scheitel aus. Laut dem öffentlichen Gesundheitsportal Österreichs haben in Europa rund acht von zehn Männern diese Form.
Ursache ist weder ein Mangel noch ein Überschuss an Hormonen. Vererbt wird eine Überempfindlichkeit der Haarwurzeln gegenüber Dihydrotestosteron (DHT), der aktiven Form des Testosterons. Unter seinem Einfluss verkürzt sich die Wachstumsphase, die Haare werden von Zyklus zu Zyklus dünner und kürzer, und die betroffene Fläche wird größer. Die Kopfhaut vernarbt dabei nicht. Deshalb kann eine Behandlung das Fortschreiten aufhalten und bei einem Teil der Männer auch wieder Haare wachsen lassen.
Wenn das Muster nicht passt: andere Formen und Ursachen
Nicht jeder Haarausfall ist erblich. Die folgenden Formen haben andere Ursachen und werden anders behandelt; Mittel gegen erblichen Haarausfall helfen hier nicht oder überdecken das eigentliche Problem. Ein plötzlich und stark einsetzender, fleckförmiger oder von weiteren Beschwerden begleiteter Haarausfall gehört deshalb zuerst ärztlich abgeklärt.
- Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata): scharf begrenzte kahle Stellen, die sich meist innerhalb weniger Wochen bilden, auch im Bart oder an den Augenbrauen. Es handelt sich um eine Autoimmunerkrankung; in etwa der Hälfte der Fälle ist der Haarausfall nicht dauerhaft, Rückfälle sind aber häufig.
- Haarausfall nach einer schweren Infektion mit Fieber, nach einer Operation, bei starker Belastung oder unausgewogener Ernährung. Häufig ist er vorübergehend, etwa nach Infektionen, und das Haar wächst von selbst nach.
- Haarausfall als Zeichen einer Erkrankung, etwa einer Schilddrüsenunterfunktion, einer Blutarmut oder eines Lupus erythematodes.
- Haarausfall durch Arzneimittel, unter anderem Heparin, Antiepileptika, Schilddrüsenmedikamente, Chloroquin oder Methotrexat, sowie durch Chemo- oder Strahlentherapie.
- Schäden durch große Hitze beim Glätten, durch Färben oder durch starken Zug, zum Beispiel bei engen Zöpfen oder einem straffen Pferdeschwanz.
Welche Mittel in Österreich zugelassen sind
Für den erblich bedingten Haarausfall des Mannes gibt es zwei Wirkstoffe mit Zulassung: Finasterid zum Einnehmen und Minoxidil zum Auftragen. Zum Einnehmen ist gegen diese Form damit genau ein Präparat im österreichischen Arzneispezialitätenregister eingetragen: Finasterid 1 mg, rezeptpflichtig. Minoxidil-Präparate für die Kopfhaut sind rezeptfrei, werden aber nur in Apotheken abgegeben. Nach Angaben des Gesundheitsportals lassen sich beide Wirkstoffe kombinieren.
Tabletten mit 5 mg Finasterid und Tabletten mit 5 mg Minoxidil enthalten dieselben Wirkstoffe, sind aber für ganz andere Erkrankungen zugelassen, und rezeptfreie Kapseln mit Calciumpantothenat und Cystin sind für andere Formen des Haarausfalls gedacht. Was die Fachinformationen jeweils festhalten, zeigt die Tabelle; Einzelheiten stehen auf den Seiten zu Finasterid und Minoxidil.
| Präparat | Zugelassen für | Abgabe |
|---|---|---|
| Finasterid 1 mg Filmtabletten (Propecia) | Männer von 18 bis 41 Jahren mit erblich bedingtem Haarausfall im frühen Stadium | rezeptpflichtig |
| Minoxidil 2 % oder 5 % als Lösung, Spray oder Schaum | erblich bedingter Haarausfall; für wen welche Stärke gilt, regelt die Fachinformation des Präparats | rezeptfrei, nur in Apotheken |
| Finasterid 5 mg Filmtabletten (zum Beispiel Proscar) | gutartige Prostatavergrößerung, nicht Haarausfall | rezeptpflichtig |
| Minoxidil 5 mg Tabletten (Loniten) | schwer behandelbarer Bluthochdruck; laut Fachinformation für keine Form der Alopezie geeignet | rezeptpflichtig |
| Kapseln mit Calciumpantothenat und Cystin (Pantogar) | unterstützend bei örtlich begrenztem und diffusem Haarausfall; ausdrücklich nicht bei erblich bedingter Glatzenbildung | rezeptfrei, nur in Apotheken |
Was eine Behandlung realistisch bringt
Beide Wirkstoffe brauchen Geduld. Bei Finasterid 1 mg sind laut Fachinformation im Allgemeinen drei bis sechs Monate tägliche Einnahme nötig, bevor sich der Haarausfall erkennbar stabilisiert. Mit Minoxidil-Lösung ist neuer Haarwuchs nach der Fachinformation von Regaine frühestens nach vier Monaten sichtbar. In den ersten Wochen kann der Haarausfall unter Minoxidil vorübergehend sogar zunehmen, weil alte Haare ausfallen und nachwachsenden Platz machen.
Der Effekt hält nur so lange wie die Anwendung. Nach dem Absetzen von Finasterid beginnt er sich innerhalb von sechs Monaten zurückzubilden, nach neun bis zwölf Monaten ist der Ausgangszustand wieder erreicht; bei Minoxidil ist das Bild nach drei bis vier Monaten wieder wie vor der Behandlung. Wer beginnt, entscheidet sich also für eine Daueranwendung.
Wie viel möglich ist, hängt vom Stadium ab. Finasterid ist für frühe Stadien zugelassen; beim Zurückweichen des Haaransatzes an den Schläfen und bei Haarverlust im Endstadium wurde keine Wirksamkeit nachgewiesen. Minoxidil wirkt bei fortgeschrittenem und seit mehr als zehn Jahren bestehendem Haarausfall schwächer, vermutlich weil dort Haarwurzeln fehlen. Ist der Haarausfall zum Stillstand gekommen, kommt auch eine Haartransplantation in Frage, bei der Haare vom Hinterkopf in die lichten Bereiche verpflanzt werden.
Wofür es keine Belege gibt
Rund um Haarausfall wird viel angeboten, das wenig hält. Das Gesundheitsportal nennt für Low-Level-Laser und Lichttherapie, für das Einspritzen von plättchenreichem Eigenplasma in die Kopfhaut und für Microneedling keine wissenschaftlichen Belege. Keine eindeutigen Hinweise auf eine Wirkung gibt es auch für Biotin oder Eisen zum Einnehmen, für Ginseng, Sägepalme, Grüntee und für Haarpflegemittel mit Koffein. Liegt tatsächlich ein Mangel vor, etwa eine Blutarmut, ist das eine eigene Diagnose, die gezielt behandelt gehört.
Auch zugelassene Präparate passen nicht automatisch: Die rezeptfreien Kapseln mit Calciumpantothenat und Cystin sind laut ihrer Fachinformation nur unterstützend bei diffusem oder örtlich begrenztem Haarausfall angezeigt, bei der erblich bedingten Glatzenbildung des Mannes dagegen ausdrücklich nicht.
Finasterid: Hinweis zu Stimmung und Sexualfunktion
Nach einer EU-weiten Überprüfung hat das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) Ärzteschaft und Apotheken in einer Sicherheitsmitteilung informiert: Suizidgedanken sind eine Nebenwirkung von Finasterid zum Einnehmen, ihre Häufigkeit lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen, und die meisten Meldungen betreffen Männer in Behandlung wegen Haarausfall. Sexuelle Funktionsstörungen können zu solchen Stimmungsänderungen beitragen. Packungen mit Finasterid 1 mg liegt deshalb eine Patientenkarte bei.
Wer unter Finasterid eine gedrückte Stimmung, eine Depression oder Suizidgedanken bemerkt, soll die Einnahme beenden und ärztlichen Rat einholen. Auch bei Problemen mit Lust, Erektion oder Samenerguss ist ärztlicher Rat angezeigt, ein Absetzen kommt dann in Betracht. In einer seelischen Krise erreichen Sie die Telefonseelsorge rund um die Uhr und kostenlos unter 142, im Notfall die Rettung unter 144 oder den Euronotruf 112.
Welcher Arzt bei Haarausfall weiterhilft
Für Beratung und Abklärung nennt das Gesundheitsportal zwei Anlaufstellen: eine Ordination für Allgemeinmedizin und eine Fachärztin oder einen Facharzt für Dermatologie und Venerologie, also eine Hautärztin oder einen Hautarzt. Gefragt wird nach Haarausfall in der Familie, nach Infektionen und anderen Erkrankungen, nach Haarpflege und Ernährung. Oft lässt sich die Form schon am Muster und am Zustand der Kopfhaut zuordnen. Zur weiteren Abklärung kommen ein Zupftest, eine Blutuntersuchung, die Untersuchung der Kopfhaut mit dem Auflichtmikroskop (Trichoskopie), ein Trichogramm, eine fotografische Messung der Haardichte oder eine kleine Gewebeprobe in Frage.
Die Abklärung in einer Kassenordination rechnen Sie mit der e-card ab; bei bestimmten Leistungen kann ein Selbstbehalt anfallen. Was der Unterschied zwischen Kassen- und Wahlarztordination für Sie bedeutet, erklärt der Beitrag Wahlarzt, Kassenarzt und Privatrezept. Wenn Sie nicht wissen, wohin, hilft die Gesundheitsberatung 1450 bei der Einschätzung. Belastet der Haarausfall stark, sind klinische Psychologie, Psychotherapie oder eine Selbsthilfegruppe weitere Anlaufstellen.
Wann eine Online-Anfrage passt und wann nicht
Über das Formular können Sie ein Rezept für Finasterid 1 mg anfragen. Am einfachsten ist die Fortführung einer Behandlung, die Sie bereits begonnen haben und vertragen. Auch einen Behandlungsbeginn beurteilt der Arzt, sofern Ihre Angaben ein eindeutiges Bild zeichnen: langsam fortschreitender Haarausfall mit typischem Muster bei gesunder Kopfhaut. Die Zulassung gilt für Männer von 18 bis 41 Jahren; liegen Sie außerhalb dieses Rahmens, ist das eine Frage für die ärztliche Beurteilung und oft für eine hautärztliche Untersuchung. Der Arzt prüft Ihre Angaben, kann Unterlagen wie einen hautärztlichen Befund nachfordern oder eine Untersuchung in einer Ordination empfehlen; ob er verordnet, entscheidet er, einen Anspruch darauf haben Sie nicht. Für Minoxidil zum Auftragen brauchen Sie kein Rezept.
In diesen Situationen gehört die Abklärung in eine Ordination und nicht in einen Fragebogen:
- plötzlicher, starker oder fleckförmiger Haarausfall, kahle runde Stellen, auch im Bart oder an den Augenbrauen
- gerötete, schuppende, nässende oder schmerzende Kopfhaut, Narben oder Verbrennungen
- Haarausfall zusammen mit anderen Beschwerden oder kurz nach Beginn eines neuen Medikaments
- Haarausfall bei Frauen, denn Finasterid ist bei Frauen kontraindiziert
- Jugendliche unter 18 Jahren
Rezept, Apotheke und Kosten
Bei einer Zusage schicken wir das Privatrezept als PDF per E-Mail. Es ist eine grenzüberschreitende Verschreibung; Grundlage der Anerkennung ist Artikel 11 der Richtlinie 2011/24/EU, in Österreich wird sie wie ein Privatrezept behandelt. Ob die Apotheke das Rezept annimmt, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker in jedem Fall selbst. Legen Sie es innerhalb eines Monats nach dem Ausstellungsdatum vor, sonst verliert es seine Gültigkeit; mehr dazu im Beitrag zur Gültigkeit von Rezepten. Medikamente verschicken wir nicht, per E-Mail erhalten Sie nur das Dokument.
Das Arzneimittel bezahlen Sie in der Apotheke selbst; eine Kostenerstattung durch den Sozialversicherungsträger ist die Ausnahme. Unser Honorar ist kein Arzneimittelpreis, es deckt die ärztliche Beurteilung ab und nicht die Ausstellung eines Dokuments. Entscheidet sich der Arzt aus medizinischen oder rechtlichen Gründen dagegen, zahlen wir das Honorar zurück. Fordert er Unterlagen an, haben Sie dafür mindestens 7 Tage Zeit und bekommen eine Erinnerung; auf Wunsch verlängern wir die Frist. Kann die Beurteilung auch dann nicht abgeschlossen werden, schließen wir die Anfrage und erstatten das Honorar zur Gänze.
Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, polnische Approbation, Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Eine ärztliche Einschätzung Ihrer persönlichen Situation kann dieser Beitrag nicht ersetzen.
Welcher Arzt ist bei Haarausfall zuständig?
Zuständig sind eine Ordination für Allgemeinmedizin und die Hautärztin oder der Hautarzt (Dermatologie und Venerologie). Vorteilhaft ist laut Gesundheitsportal eine Ordination mit Erfahrung in der Behandlung von Haarausfall. Mit der e-card gehen Sie in eine Kassenordination, alternativ in eine Wahlarztordination.
Gibt es Tabletten gegen Haarausfall?
Für erblich bedingten Haarausfall beim Mann ist in Österreich als Tablette nur Finasterid 1 mg zugelassen, und es ist rezeptpflichtig. Minoxidil in Tablettenform ist ausschließlich für schwer behandelbaren Bluthochdruck zugelassen; seine Fachinformation schließt die Anwendung bei Haarausfall aus. Rezeptfreie Kapseln mit Calciumpantothenat und Cystin sind für die erbliche Glatzenbildung nicht angezeigt.
Wie viele Haare am Tag zu verlieren ist normal?
Bis zu 100 Haare pro Tag fallen auf natürliche Weise aus, weil jedes Haar nach einer Ruhephase von etwa drei bis vier Monaten abgestoßen und durch ein neues ersetzt wird. Aussagekräftiger als das Zählen ist, ob das Haar sichtbar dünner wird oder die Kopfhaut an bestimmten Stellen durchscheint.
Ab welchem Alter beginnt erblicher Haarausfall?
Bei Männern können erste Anzeichen schon in der Pubertät auftreten. Danach schreitet er meist langsam über Jahre voran. Für Finasterid 1 mg gilt die Zulassung ab 18 Jahren; bei Jugendlichen gehört Haarausfall in eine ärztliche Ordination.
Wächst das Haar nach einem Haarausfall von selbst wieder nach?
Bei vielen Formen ja, etwa nach Infektionen mit Fieber, nach einer Chemotherapie oder nach bestimmten Medikamenten wie Heparin. Auch kreisrunder Haarausfall bildet sich in etwa der Hälfte der Fälle zurück. Der erblich bedingte Haarausfall dagegen schreitet ohne Behandlung weiter fort.
- Gesundheit.gv.at: Haarausfall, Ursachen und Behandlung (Formen, Diagnose, Behandlung, Anlaufstellen)
- Fachinformation Propecia 1 mg Filmtabletten (BASG, Abschnitte 4.1, 4.2 und 4.4)
- Fachinformation Regaine 5 % Lösung (BASG, Abschnitte 4.2, 4.3 und 5.1)
- Fachinformation Loniten 5 mg Tabletten (BASG, Abschnitte 4.1 und 4.4)
- Fachinformation Pantogar Kapseln (BASG, Abschnitt 4.1)
- BASG: Sicherheitsmitteilung zu Finasterid und Dutasterid, Risiko für Suizidgedanken (15.09.2025)