Bindehautentzündung: Ursachen und Behandlung
Rotes Auge, Fremdkörpergefühl, verklebte Lider am Morgen: Eine Bindehautentzündung kann viral, bakteriell oder allergisch sein, und davon hängt alles Weitere ab. Diese Seite erklärt die Unterschiede, was hilft, wann ein Antibiotikum nötig ist und welche Zeichen sofort zur Augenärztin führen.
Woran erkennen Sie eine Bindehautentzündung?
Kennzeichnend sind ein gerötetes Auge, ein Fremdkörper- oder Sandgefühl, Tränen, Lichtempfindlichkeit und Absonderungen, die die Lider besonders in der Früh verkleben. Die Rötung betrifft die Bindehaut, also das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider; sie ist flächig und nimmt zum Rand hin oft zu.
Entscheidend für die Einordnung sind drei Fragen: Wie sieht das Sekret aus, sind ein oder beide Augen betroffen, und juckt es? Wässriges Sekret, Beginn an einem Auge mit Übergreifen auf das andere und ein vorangegangener Atemwegsinfekt sprechen für eine virale Ursache. Gelblich-eitriges Sekret mit stark verklebten Lidern spricht eher für Bakterien. Starker Juckreiz an beiden Augen, oft mit Niesen und rinnender Nase, spricht für eine Allergie. Ob eine Entzündung bakteriell oder viral ist, lässt sich allein aus den Beschwerden allerdings meist nicht sicher sagen.
Wichtig ist, was nicht dazugehört: starke Schmerzen im Auge, eine deutliche Sehverschlechterung, eine ungleiche oder träge Pupille und eine Rötung, die ringförmig um die Hornhaut betont ist. Diese Zeichen sprechen für eine tiefere Erkrankung des Auges und gehören augenärztlich untersucht.
Viral, bakteriell oder allergisch?
Die virale Form kann im Zusammenhang mit einem viralen Infekt der Atemwege auftreten, etwa einem grippalen Infekt. Einige Erreger, etwa Adenoviren, sind hoch ansteckend. Sie heilt meist von selbst ab, oft innerhalb weniger Wochen, das völlige Abheilen kann aber lange dauern; eine spezifische Therapie gibt es nicht, künstliche Tränenflüssigkeit kann eingesetzt werden. Antibiotische Tropfen nützen dabei nichts.
Die bakterielle Form zeigt typischerweise gelblich-weißes, eitriges Sekret, das die Lider am Morgen verklebt. Sie heilt bei mehr als der Hälfte der Betroffenen auch ohne Behandlung innerhalb von ein bis zwei Wochen ab; antibiotische Tropfen oder Salben können die Heilung etwas beschleunigen, und ob sie nötig sind, entscheidet die Ärztin oder der Arzt nach dem Befund.
Die allergische Form läuft saisonal oder ganzjährig: beidseits, mit starkem Juckreiz, Schwellung der Lider und wässrigem Sekret. In Österreich beginnt die Belastung durch Hasel- und Erlenpollen oft schon im Jänner, lange bevor die meisten an Heuschnupfen denken. Danach folgen Birke, Gräser und Beifuß. Wer den Zusammenhang mit der Jahreszeit oder mit Tierkontakt bemerkt, hat den entscheidenden Hinweis meist selbst gefunden.
Was hilft ohne Rezept aus der Apotheke?
Bei der viralen Form steht die Linderung im Vordergrund: befeuchtende Augentropfen ohne Konservierungsmittel, kühle Umschläge, das Entfernen der Krusten mit sauberen, feuchten Kompressen und konsequente Handhygiene. Kontaktlinsen bleiben bis zur vollständigen Abheilung draußen.
Bei der allergischen Form helfen Augentropfen, von denen ein Teil rezeptfrei ist: Laut Arzneispezialitätenregister sind manche Präparate mit Cromoglicinsäure, Azelastin, Levocabastin oder Bilastin ohne Rezept erhältlich, andere antiallergische Augentropfen, etwa mit Ketotifen oder Olopatadin, nur auf Rezept. Auch Antihistaminika zum Einnehmen wie Cetirizin, Loratadin oder Desloratadin sind je nach Präparat rezeptfrei oder rezeptpflichtig; welches passt, sagt Ihnen die Apotheke. Sinnvoll ist außerdem alles, was die Pollenlast senkt: abends Haare waschen, Kleidung nicht im Schlafzimmer ablegen, lüften nach dem Pollenflug, Pollenschutzgitter.
Was Sie nicht tun sollten: gefäßverengende Augentropfen, die das Auge schnell weiß machen, länger als vorgesehen oder bei einer Infektion anwenden; laut Fachinformation sind sie zur Linderung nichtinfektiöser Reizzustände der Bindehaut bestimmt. Laut Fachinformation eines rezeptfreien Naphazolin-Präparats sind sie nur vorübergehend und ohne ärztliche Untersuchung höchstens 2 Tage anzuwenden, weil auf die Gefäßverengung eine Gefäßerweiterung folgen kann, die die Rötung verstärkt und das Krankheitsbild verschleiert. Ebenso wenig gehören Kamillenauflagen ans Auge, weil sie allergische Reaktionen auslösen können. Und niemals werden kortisonhaltige Augentropfen aus einer früheren Behandlung verwendet: Bei einer Herpesinfektion des Auges können sie schweren Schaden anrichten.
Wann ist ein Antibiotikum notwendig?
Antibiotische Augentropfen sind rezeptpflichtig und dann sinnvoll, wenn viel eitriges Sekret vorliegt, wenn die Beschwerden nach einigen Tagen zunehmen, bei Kontaktlinsenträgern, bei geschwächtem Immunsystem, nach Augenoperationen und bei Neugeborenen. In der Mehrzahl der übrigen Fälle sind sie entbehrlich.
Der Grund für die Zurückhaltung ist derselbe wie bei anderen Antibiotika: Unnötiger Einsatz fördert Resistenzen, und die weitaus häufigere virale Form spricht ohnehin nicht darauf an. Wird ein Präparat verordnet, gilt die vorgegebene Anwendungsdauer, und die Flasche wird nach Abschluss verworfen statt aufgehoben.
Eine Sonderrolle spielen Kontaktlinsenträger: Bei ihnen kann hinter einem roten Auge eine Entzündung der Hornhaut stecken, die rasch zu Narben führt. Deshalb gehört jedes rote Auge mit Linsen und Schmerzen augenärztlich untersucht, und die Linsen bleiben bis zur Klärung draußen. Bei Neugeborenen mit eitrigem Sekret in den ersten Lebenswochen ist immer eine sofortige ärztliche Untersuchung nötig.
Warnzeichen: wann Sie sofort augenärztliche Hilfe brauchen
Suchen Sie sofort eine Augenärztin oder einen Augenarzt auf, außerhalb der Öffnungszeiten die Augenambulanz eines Spitals, wenn Sie starke Augenschmerzen haben, wenn das Sehen verschwommen oder schlechter wird, wenn Sie Lichtblitze oder Doppelbilder sehen, wenn die Pupille ungleich ist oder wenn eine ausgeprägte Lichtscheu besteht.
Ebenso dringlich: eine Verletzung des Auges oder ein Fremdkörper, Kontakt mit Chemikalien wie Reinigungsmitteln oder Kalk, ein rotes Auge bei Kontaktlinsenträgern, Bläschen am Lid oder an der Nasenspitze als Hinweis auf Herpes, starke einseitige Schwellung mit Fieber und Schmerzen bei Augenbewegungen sowie jedes eitrige Auge bei einem Neugeborenen.
Bei Augenkontakt mit einer möglicherweise giftigen Substanz gilt laut Gesundheitsportal: sofort mit Wasser spülen, mindestens zehn bis fünfzehn Minuten lang, und danach so rasch wie möglich die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43 anrufen; bei akut bedrohlichen Zuständen wie Bewusstlosigkeit wählen Sie den Notruf 144. Für alle anderen genannten Situationen gilt: Die Beurteilung des Auges gehört an die Spaltlampe. Diese Seite ersetzt sie nicht, und ein Fragebogen ebenso wenig.
Wie lange ist eine Bindehautentzündung ansteckend?
Virale und bakterielle Bindehautentzündungen sind ansteckend, einige Viren wie Adenoviren sogar hoch ansteckend. Übertragen werden die Erreger meist als Schmierinfektion über die Finger, auch von einem Auge zum anderen, aber ebenso über Gegenstände wie Augentropfenfläschchen, Taschentücher, Waschlappen oder Handtücher; deshalb ist laut Gesundheitsportal sorgfältige Hygiene nötig: Händehygiene, keine gemeinsam benutzten Handtücher und kein Händeschütteln.
Für Kindergarten, Schule und Arbeitsplatz gilt: Wer stark tränende, verklebte Augen hat, steckt andere leicht an. Ob und wie lange eine Betreuungseinrichtung ferngeblieben werden soll und ob ein Krankenstand notwendig ist, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand des Befundes und der Tätigkeit.
Die allergische Form und Entzündungen durch äußere Reize sind dagegen nicht ansteckend. Wenn im Umfeld mehrere Menschen kurz hintereinander rote Augen bekommen, spricht das für eine virale Ursache und für einen genauen Blick auf die Hygiene im Haushalt.
Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, polnische Approbation, Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Eine ärztliche Einschätzung Ihrer persönlichen Situation kann dieser Beitrag nicht ersetzen.
Braucht jede Bindehautentzündung Antibiotika?
Nein. Die häufigste Form ist viral und spricht auf Antibiotika nicht an. Antibiotische Tropfen sind rezeptpflichtig und bleiben Situationen mit stark eitrigem Sekret, Kontaktlinsenträgern, Immunschwäche, Zustand nach Augenoperation und Neugeborenen vorbehalten.
Darf ich mit einer Bindehautentzündung Kontaktlinsen tragen?
Nein. Linsen bleiben draußen, bis das Auge vollständig abgeheilt ist. Tageslinsen werden entsorgt, Monatslinsen und der Behälter ebenfalls oder gründlich neu versorgt. Ein rotes Auge mit Linsen und Schmerzen gehört noch am selben Tag augenärztlich untersucht.
Hilft Kamille oder schwarzer Tee?
Beides wird häufig empfohlen und ist trotzdem keine gute Idee: Kamille kann allergische Reaktionen auslösen, Teeauflagen sind nicht steril. Zum Reinigen der Lider genügen saubere, feuchte Kompressen; zur Linderung befeuchtende Augentropfen aus der Apotheke.
Wie unterscheide ich eine Allergie von einer Infektion?
Für die Allergie sprechen beidseitiger, starker Juckreiz, wässriges Sekret, Niesen und rinnende Nase sowie ein zeitlicher Zusammenhang mit Pollenflug oder Tierkontakt. Für eine Infektion sprechen Beginn an einem Auge, verklebte Lider in der Früh und ein vorangegangener Atemwegsinfekt.
Können Augentropfen online verordnet werden?
Für die allergische Form ist eine Verordnung nach ärztlicher Beurteilung Ihrer Angaben denkbar, wenn der Verlauf bekannt ist und keine Warnzeichen vorliegen. Bei Schmerzen, Sehverschlechterung, Kontaktlinsen, Verletzung oder Verdacht auf Herpes ist dieser Weg nicht geeignet; das Auge gehört dann untersucht. Video, Telefonat oder Live-Chat bieten wir nicht an; beurteilt wird ein schriftlicher Fragebogen.
- Gesundheitsportal Österreich: Bindehautentzündung (Konjunktivitis), Ursachen, Symptome, Behandlung
- IQWiG, gesundheitsinformation.de: Bindehautentzündung (Verlauf, Ansteckung, Behandlung)
- BASG/AGES: Arzneispezialitätenregister (Rezeptpflicht von Augentropfen und Antihistaminika)
- Fachinformation Aconex 0,1 % Augentropfen, Naphazolin (BASG, Abschnitte 4.2 und 4.4)
- Gesundheitsportal Österreich: Vergiftung, Vorgehen im Notfall (Augenkontakt, Vergiftungsinformationszentrale)