Kamagra: was dahintersteckt und welche Risiken es gibt

Unter dem Namen Kamagra werden im Internet Mittel gegen Erektionsstörungen angeboten. In Österreich ist Kamagra nicht als Arzneimittel zugelassen: Im Arzneispezialitätenregister des BASG, das auch die zentral in der EU zugelassenen Präparate enthält, gibt es keinen Eintrag. Diese Seite erklärt, was das rechtlich bedeutet, was Analysen von Potenzmitteln aus dem Netz ergeben haben, welche gesundheitlichen Risiken bestehen und welcher Weg legal ist.

Was ist Kamagra?

Kamagra ist ein Name, unter dem Online-Shops Potenzmittel verkaufen, oft zu niedrigen Preisen und ohne Rezept. Was in einer solchen Packung tatsächlich steckt, lässt sich von außen nicht prüfen. Weil Kamagra in Österreich nicht zugelassen ist, hat keine österreichische oder europäische Behörde Zusammensetzung, Herstellung und Lieferweg dieses Produkts für den Markt hier geprüft.

Das unterscheidet Kamagra von zugelassenen Arzneimitteln wie Viagra, einem Präparat mit dem Wirkstoff Sildenafil, das im zentralen EU-Verfahren zugelassen ist und in Österreich in der Apotheke gegen Rezept abgegeben wird. Bei einem zugelassenen Präparat sind Zusammensetzung und Qualität Teil der Zulassung, und die legale Vertriebskette über die Apotheke soll laut BASG sicherstellen, dass nur Originalpräparate bei den Anwendern ankommen. Bei einem Produkt ohne Zulassung fehlt genau diese Kontrolle.

Zulassung: kein Eintrag im österreichischen Register

Wir haben das Arzneispezialitätenregister des BASG am 4. Oktober 2026 abgefragt. Unter dem Namen Kamagra ist kein Arzneimittel eingetragen. Das Register enthält national zugelassene Präparate ebenso wie zentral in der EU zugelassene, Viagra etwa steht dort mit seiner EU-Zulassungsnummer. Kamagra ist damit weder auf dem einen noch auf dem anderen Weg für Österreich zugelassen.

Das BASG ordnet solche Produkte klar ein: Illegal ist ein Arzneimittel auch dann, wenn es ohne österreichische Zulassung hier verkauft wird, selbst wenn es sich um ein echtes Produkt seines Herstellers handelt. In der Liste illegaler Webseiten, die das BASG veröffentlicht, steht auch ein Shop, der Kamagra im Namen führt; vermerkt sind dort das Inverkehrbringen von Arzneimitteln ohne Zulassung, die Abgabe ohne Apothekenkonzession und eine potenzielle Gesundheitsgefährdung.

Solche Seiten wirken oft vertrauenswürdig. Laut BASG verwenden illegale Webshops zum Beispiel Telefonnummern mit österreichischer Vorwahl, um den Eindruck eines seriösen heimischen Unternehmens zu erwecken. In vielen Fällen wird die bestellte Ware gar nicht verschickt, und wenn doch, handelt es sich oft um Fälschungen mit fehlendem, falsch dosiertem oder verunreinigtem Inhalt.

Fälschungen, falsche Mengen, Verunreinigungen

Das Arzneimittellabor der AGES hat Potenzmittel aus dem Internet analysiert, und die Ergebnisse, die das BASG veröffentlicht hat, sind eindeutig: Die meisten Proben enthielten nicht, was die Werbung versprach. Gefälschte Originalpräparate enthielten teils gar keinen Wirkstoff, teils deutlich zu viel, und sie sahen dem Original so ähnlich, dass Käufer den Unterschied nicht sehen konnten.

Gefunden wurden auch neuartige Abkömmlinge der PDE-5-Hemmer, die bisher nicht in Studien geprüft wurden und deren Nebenwirkungsprofil unbekannt ist, außerdem in einzelnen Fälschungen Verunreinigungen bis hin zu Abflussreiniger und Rattenkot. Fälschungen durchlaufen laut BASG keinerlei Qualitätskontrolle und können wirkungslos, schädlich oder lebensbedrohend sein. Für ein Produkt ohne Zulassung gibt es zudem keine Packungsbeilage, auf deren Angaben man sich verlassen könnte.

Gesundheitliche Risiken ohne ärztliche Prüfung

Selbst wenn ein solches Produkt tatsächlich einen PDE-5-Hemmer enthält, fehlt die Prüfung, für wen er geeignet ist. Für zugelassene Präparate wie Viagra nennt die Produktinformation klare Grenzen: keine gemeinsame Einnahme mit Nitraten, anderen Stickstoffmonoxid-Donatoren wie Amylnitrit oder mit Riociguat, keine Anwendung bei Männern, denen wegen einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung von sexueller Aktivität abgeraten wird, und keine Anwendung nach kürzlich erlittenem Schlaganfall oder Herzinfarkt oder bei sehr niedrigem Blutdruck. Ein Shop, der ohne Rezept verkauft, prüft nichts davon.

Bei einem Produkt mit unbekannter Wirkstoffmenge sind diese Risiken nicht kleiner, sondern schwerer abzuschätzen. Laut BASG sind ernsthafte oder kritische Nebenwirkungen sehr wahrscheinlich, wenn Männer, die wegen einer Vorerkrankung keinen PDE-5-Hemmer einnehmen dürfen, dennoch ein Produkt mit einem solchen Wirkstoff nehmen. Bei Brustschmerz, starker Atemnot, Ohnmacht, einer Erektion über vier Stunden oder einer plötzlichen Sehstörung brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe; rufen Sie im Notfall 144 und sagen Sie, was Sie eingenommen haben.

Rechtliche Folgen von Bestellungen im Netz

Rezeptpflichtige Arzneimittel dürfen in Österreich nicht per Versand abgegeben werden, auch nicht aus einem anderen EWR-Staat; wer sie im Internet anbietet, macht sich laut BASG strafbar. Auch der Kauf ist nicht folgenlos: Die Beschaffung rezeptpflichtiger Arzneimittel über das Internet ist laut BASG grundsätzlich unzulässig und zieht Verwaltungsstrafverfahren nach sich. Eine ärztliche Bestätigung, die erst nachträglich vorgelegt wird, hebt die Strafbarkeit nicht auf.

Das BASG weist zudem darauf hin, dass sich auch Ärzte, die Rezepte oder Bestätigungen für in Österreich nicht zugelassene Arzneispezialitäten ausstellen, einer Verwaltungsübertretung mitschuldig machen können. Ein Rezept aus einem anderen EU-Land hilft hier ebenfalls nicht weiter: Die Anerkennung nach Artikel 11 der Richtlinie 2011/24/EU betrifft Arzneimittel, die im Land der Apotheke zugelassen sind, und Kamagra ist in Österreich nicht zugelassen.

Die legale Alternative

Zugelassen und in Österreich erhältlich sind Präparate mit Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil, alle rezeptpflichtig und nur in der Apotheke. Welcher Wirkstoff passt und ob überhaupt, entscheidet eine ärztliche Beurteilung; die Unterschiede beschreiben die Seiten zu Sildenafil und Tadalafil, warum es keine rezeptfreie Variante gibt, steht im Beitrag Potenzmittel ohne Rezept.

Die erste Abklärung, woher die Erektionsstörung kommt, gehört in eine Ordination, etwa zur Hausärztin oder in eine urologische Ordination. Ist sie bereits erfolgt, kann ein Rezept auch aus einer schriftlichen ärztlichen Beurteilung kommen, etwa über unseren Fragebogen. Der Arzt ist in Polen approbiert und entscheidet im Einzelfall; ein Anspruch auf ein Rezept besteht nicht. Bei positiver Beurteilung erhalten Sie ein Privatrezept als PDF, das Sie in einer Apotheke vorlegen; ob die Apotheke es einlöst, entscheidet die Apothekerin oder der Apotheker.

Medizinische Prüfung: lek. Damian Wojno, polnische Approbation, Nr. 3211301, für MEDINOW Sp. z o.o. Eine ärztliche Einschätzung Ihrer persönlichen Situation kann dieser Beitrag nicht ersetzen.

Ist Kamagra in Österreich legal?

Kamagra ist in Österreich nicht als Arzneimittel zugelassen. Der Verkauf ist damit unzulässig, und auch die Beschaffung rezeptpflichtiger Arzneimittel über das Internet ist laut BASG grundsätzlich unzulässig.

Ist Kamagra dasselbe wie Viagra?

Nein. Viagra ist ein in der EU zugelassenes Arzneimittel mit dem Wirkstoff Sildenafil, dessen Qualität geprüft und überwacht wird. Für Kamagra gibt es in Österreich keine Zulassung und damit keine geprüfte Angabe darüber, was es enthält.

Kann mir ein Arzt Kamagra verschreiben?

Kamagra ist in Österreich nicht zugelassen. Laut BASG können sich Ärzte, die Rezepte oder Bestätigungen für hier nicht zugelassene Arzneispezialitäten ausstellen, einer Verwaltungsübertretung mitschuldig machen, und die Anerkennung von Rezepten aus anderen EU-Ländern nach Artikel 11 der Richtlinie 2011/24/EU bezieht sich auf Arzneimittel, die im Land der Apotheke zugelassen sind. Verordnet werden können zugelassene Präparate wie Sildenafil oder Tadalafil.

Welche Nebenwirkungen hat Kamagra?

Das lässt sich nicht verlässlich sagen, weil die Zusammensetzung nicht geprüft ist. Enthält das Produkt einen PDE-5-Hemmer, gelten mindestens dessen Risiken, dazu kommen mögliche Fehldosierungen und Verunreinigungen.

Was tun, wenn ich Kamagra eingenommen habe und mich schlecht fühle?

Bei Brustschmerz, Atemnot, Ohnmacht, einer Erektion über vier Stunden oder plötzlichen Sehstörungen sofort 144 anrufen und sagen, was Sie genommen haben. Bei Fragen zu einer möglichen Vergiftung berät die Vergiftungsinformationszentrale unter 01 406 43 43.

Gibt es eine legale Alternative zu Kamagra?

Ja, zugelassene Präparate mit Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil oder Avanafil. Sie sind rezeptpflichtig und werden gegen ärztliches Rezept in der Apotheke abgegeben; ob ein Präparat für Sie infrage kommt, klärt die ärztliche Beurteilung.